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Dörfel's Eck•

Hamburger Abendblatt vom Freitag, dem 7. Juli 2000

Im "Dörfel's Eck" wird
wieder gezapft

Neueröffnung der Harburger Traditionskneipe

hpvs Harburg - Eine Legende lebt wieder. Nach 14 Jahren Pause feiert das Traditionslokal "Dörfel's Eck" heute auf dem Mopsberg Neueröffnung. Das Harburger Fußballgenie Charly Dörfel, dem das Eckhaus an der Baererstraße/Würffelstraße mitsamt Kneipe gehört, stattete Wirt

dem Namen Frido Dörfel. Der Vater der Nationalspieler Gert ("Charly") und Bernd gehörte zusammen mit den Fußballgrößen Rudi Noack, Richard Dörfel (beide später Hamburger SV) und den Harburger Borussen Erich Schwab und Walter Meyer zu den zahlreichen Talenten, die zwischen

Höhenangst kennt Charly Dörfel nicht. Er packte beim Anbringen des Kneipenschildes in luftiger Höhe selbst mit an.

Gastwirt Peter Lauritsen zapft Charly Dörfel ein Gläschen Fassbier.

Fotos: STAHL

Peter Lauritsen bereits gestern seinen Antrittsbesuch ab und überreichte dem Kneipier einen selbstgemachten Clown.
Anschließend kasperte Charly ("Ich bin ein Typ zwischen Natürlichkeit und Verrücktheit") lieber selbst herum und stieg zur Freude der anwesenden Fotografenschar auf das Vordach der Lokalität, um bei der Installation und Säuberung des Kneipenschildes Hand an zu legen. Höhenangst hat der heute 60-Jährige noch nie gekannt: Früher sprang er aus Jux mit Vorliebe vom Zehn-Meterturm - ohne Badehose versteht sich.
   Beim Plausch mit Wirt Lauritsen, der bis vor kurzem die Gaststätte "Grillhaus" in der unmittelbaren Nachbarschaft führte, kostete der König der Dribbler aber nur kurz das frisch gezapfte Bier und ließ den Rest stehen. "Ich habe immer nur bei besonderen Anlässen am Alsterwasser genippt oder einen Schluck Sangria getrunken", sagte er. Dörfels Suchtstoff wird nicht in Gläsern, sondern in Tütchen verkauft - Charly steht auf Gummibärchen. Ältere Fußballfans verbinden das "Dörfel's Eck" vor allem mit

Außenmühle und Bremer Straße in Harburg aufwuchsen.
Die Straßenfußballer zauberten später auf dem Sportplatz an der Baererstraße, der wegen seines Belages im Volksmund spöttisch "Stadion Rote Erde" genannt wurde. Heute kicken dort der FC Ellas und die Bezirksligaelf von Türkspor Harburg.
   Anfang der sechziger Jahre nutzten bis zu fünf Teams die Kneipe mitsamt im Keller gelegenen Duschkabinen als Clubhaus.
"Damals standen die Jungs bei meiner Mutter schon morgens um zehn in Dreierreihen vor dem Tresen", erinnerte sich Charly Dörfel. Peter Lauritsen hofft, dass das bald wieder so ist. Er muss dann nur noch die abgestellten Fahrräder aus dem ehemaligen Duschraum holen.
   Heute von 13 Uhr an wird die Neueröffnung von Dörfel's Eck mit Freibier vom Fass (solange der Vorrat reicht) gefeiert. Von morgen an kostet ein Bier (Flasche oder gezapft) drei Mark. Um Erinnerungen an große Fußballzeiten zu wecken, hängen an den Wänden seltene Fußballbilder aus dem persönlichen Archiv von Charly Dörfel.

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